THE DARK IS THEIR SUNLIGHT
WHAT MAKES THEM DIFFERENT
IS WHAT KEEPS THEM ALIVE


Director Abel Ferrara applies his eccentric vision to the vampire genre with this cerebral "Art" film about graduate philosophy student Kathleen Conklin (Lili Taylor), who is bitten by an aggressive female vampire (Annabella Sciorra) and soon spirals into a nightmarish world of blood addiction and existential angst. Driven by her merciless condition, she attacks several of her pretentious friends and classmates (even her professor) and mainlines their blood like heroin. Just as she becomes more bold in seeking prey on the streets of New York, she is waylaid by a potential victim -- actually a sophisticated vampire himself named Peina (Christopher Walken), who chooses to control his own blood addiction through fasting and meditation.

Seeming to regain her self-control, she eventually completes her graduate thesis (helped by a bit of vampire nepotism) and holds a party to celebrate, inviting the entire faculty as well as members of her new "family" to join in the festivities. Although the parallels to heroin addiction are in plain view, this is also a study in the essential evil of humankind -- a theme evident in much of Ferrara's work. ~ Cavett Binion, All Movie Guide

Kathy (Lili Taylor) studiert in New York Philosophie. Sie steht kurz vor dem Abschluss ihrer Promotion. Eines Abends, sie hat gerade einen Dokumentarfilm über die Greuel des Vietnamkriegs gesehen, wird sie auf der Straße von einer unbekannten Schönen (Annabella Sciorra) überfallen und in den Hals gebissen. Der Biss bleibt nicht ohne Folgen. Kathy verwandelt sich in einen Vampir. Mit allem was dazu gehört: Der Vorliebe für die Nacht, dem Scheu vor Spiegeln und Kruzifixen und vor allem der Gier nach Blut.

Doch das sind nur Äußerlichkeiten. Kathy, die immer öfter loszieht, um sich nun selbst Opfer zu suchen, erkennt, dass ihre Verwandlung einen unheilvollen Kern in ihr freigelegt hat: Sie bekennt sich zur Bosheit, zur Skrupellosigkeit, zur Gewalt, zum Nihilismus. Peina (Christopher Walken), eine Art zynischer Fürst der Dunkelheit, öffnet ihr endgültig die Augen über ihr Selbst: Sie sei im Grunde schon lange tot auf ewig ein Nichts, predigt er ihr, nichts anderes bleibe ihr übrig, als sich damit abzufinden - und ein Leben konsquent ohne Moral zu leben.

Kathy folgt dem Rat. Ihre Promotionsfeier artet zu einer Blutorgie der Vampire aus. Doch danach bricht Kathy zusammen. Etwas in ihr kann sich nicht mit dieser Art der Existenz abfinden. Im Krankenhaus entschließt sie sich, ein Ende zu machen. Sie läßt den Priester kommen ...

Videoclip Peina and Kathy

 


                                                                        
Hintergrundinfos:

Vampirismus als Metapher. Alle großen Bücher und Filme des Genres haben die Legende von den untoten Blutsauger als Bild verstanden, mit dem sich trefflich Botschaften transportieren lassen. Vampire standen für verdrängte Triebe, für die unterdrückte Sexualität insbesondere. Auch Regisseur Abel Ferrara schlägt diese Richtung ein - und gewinnt dem Thema, ungeachtet einer Unzahl von Vorbildern, eine höchst interessante neue Variante ab. Vampirismus steht bei ihm für eine scheinbar unausrottbare Determinate des Menschseins, für die dunkle, die destruktive Seite. "Wir tun Böses, weil wir böse sind", lautet der Schlüsselsatz seines Films.

Monster in Menschengestalt, wie Hitler und seine willigen Vollstrecker, auf die Ferrara ganz explizit Bezug nimmt, sind für ihn nichts anderes als Vampire. Sie, die sich keiner Geschichte und keiner Moral verpflichtet glauben, die jenseits von Gut und Böse agieren, sind süchtig danach, andere zu verletzten, zu quälen, zu töten.

Sucht ist Ferraras Stichwort, um seinen teils sehr sperrigen Schwarzweißfilm im Hier und Jetzt der Großstadtkultur zu verankern. Seinen Vampiren ergeht es nicht anders als den Rauschgiftabhängigen nachts auf den Straßen. Sie sind ruhelos, getrieben, süchtig nach den nächsten Schuss. Ihnen ist es egal, wie hoch der Preis ist, den sie dafür bezahlen müssen.

Jedoch: Der Spagat zwischen unbedingter, beim Zuschauen manchmal schmerzender Realität und dem darüberliegenden Raster des phantastischen Sujets gelingt Ferrara nicht immer. Zu oft lässt der Regisseur seine Botschaft zu offenkundig werden. Seine Akteure - beeindruckend die Queen des Independentfilms: Lili Taylor; grandios und leider viel zu kurz zu sehen: Christopher Walken - müssen dann deklamieren, anstatt spielen zu dürfen.

Ferrera sagte selber einmal, "The Addiction" sei der Film, den er immer hätte machen wollen. So gibt es hier logischerweise jede Menge Ferrera-typische Elemente: New Yorker Downtown-Atmosphäre, philosophische Spekulationen und spektakuläre Gewalt-Excesse.

"The Addiction" ist ein schwarzer, ein bodenlos pessimistischer Film. Auf ihn trifft zu, was die Journalisten Thomas Gaschler und Eckhard Vollmar über Ferrara geschrieben haben: Es gibt bei ihm "keine Helden, nur Opfer; keinen Trost, nur Schmerz". Doch ist das bei dem Kryptokatholiken Ferrara immer nur die halbe Wahrheit. Auch in seinem Vampirfilm entläßt er den Zuschauer nicht, ohne daß seine Heldin zuvor den rettenden Kopfsprung in den Glauben getan hat. Für diesen gibt es zwar keinen Grund, aber gerade deshalb scheint er der letzte Ausweg. "The Addiction" ist mit Sicherheit nicht Ferraras bester, aber zum Verständnis dieses Regisseurs ein ungemein wichtiger Film.

 

"Willst Du hingehen, wo es dunkel ist? So kann man nicht mit Leuten umgehen. Wenn Du so was zu mir sagst, muß ich es Dir übel nehmen. Vielleicht hätte ich gerne Proust gelesen, aber als er veröffentlicht wurde, habe ich ihn gehasst. Warum sagst Du nicht, ich soll Dich in Ruhe lassen, laut und deutlich? Stärker!"


"You know how long I've been fasting? Forty years. The last time I shot up, I had a dozen and a half in one night. They fall like flies before the hungry, don't they? You can never get enough, can you? But you learn to control it. You learn, like the Tibetans, to survive on a little.”

"Dein Atem riecht wie Scheiße, weißt Du das? Weißt Du wie lange ich schon faste? 40 Jahre. Beim letzten Fix hatte ich 18 in einer Nacht. Sie fallen dem Hunger zu Opfer wie die Fliegen. Du kriegst nie genug. Aber Du lernst es zu kontrollieren, wie die Tibeter, von weniger leben.
Was hast Du gemacht? Was ist in Dir? Auch Kinder? Das Blut von Kindern? Das erste ist das schwerste, danach sind alle gleich."

 

”The entire world's a graveyard, and we, the birds of prey picking at the bones. That's all we are. We're the ones who let the dying know the hour has come.”

"Die Welt ist ein Friedhof, Wir die Raubvögel nagen an den Knochen.
Wir sind es, die die Sterbenden wissen lassen, dass ihr Stund
e geschlagen hat. "

"Glaubst Du, Nietzsche hat etwas verstanden? Die Menschheit
wollte schon immer jenseits von Gut und Böse existieren, von Anfang an.
 Weißt Du was sie gefunden haben? Mich. ---
Möchtest Du Tee?"

"You think, Nietzsche understood something? Mankind is striven to exist beyond good and evil from the beginning. You know, what they found? Me!  you want tea?"

"Vielleicht später ..."
"Maybe later.."

Wie kannst Du ihn trinken? How can you drink it? (Kathy)

"Viele Leute trinken Tee." " People drink tea."

"Ich bin nicht Du. Du bist nichts. Das solltest Du nicht vergessen. Du bist keine Person, nichts. Hast Du „Naked Lunch“ gelesen? Burroughs beschreibt perfekt, wie es ohne Fix ist.!

"I'm not like you. You are nothing  That's something you ought not to forget. You're not a person. You're nothing.”

Wer bist Du? Who are you? (Kathy)

"Mein Name ist Peina." "My name is Peina."

Was willst Du von mir? What do you want from me? (Kathy)

"Nein, was willst Du von mir? Du kommst mir nach und wolltest mich in eine dunkle Straße drängen. Du denkst, Du verstehst was, aber Du verstehst nichts. Ich werde Dir zeigen, was Du bist. Ich werde Dich lehren, was Hunger ist. Das erste mal war schwer. Wart's ab, es ist eine lange Zeit bis Sonnenaufgang..."

"NO! What do you want from ME? You came after me. You took my hand, you tied to force me to go. If you think you understand me now, you don't know nothing! I'll show you what you are, teach you what hunger is..."

"You can't eat, you can't sleep, you can't even go out to satisfy the joy of the day. You are a slave of what you are- and you are nothing! I Defecate. When’s the last time you did that? I'm almost human. I eat, I sleep, I have a job. I can make a diet. My habit is controlled by my will. True, my will initially formed my addiction, but now I'm strong enough to dictate the conditions of fullfilling my needs. Then, I abstract, whatever good is in you, I will use for my sustenance and for you."

"Du kannst nicht essen, nicht schlafen, dein Verlangen nicht am Tag befriedigen. Ein Sklave dessen, was Du bist: nichts. Ich defäkiere. Wann hast Du das zum letzten mal getan? Ich bin fast ein Mensch. Ich esse, schlafe, arbeite, kann Diät machen. Das hat lange gedauert. Du denkst, Du weißt wer wir sind. Man muß sich anpassen. Man darf nicht auffallen. Es geht um die Qualität der Existenz."

"Meine Sucht wird von meinem Willen gesteuert. Ursprünglich wurde mein Wille von der Sucht bestimmt, aber jetzt ist er stark genug, um die Befriedigung meiner Bedürfnisse zu kontrollieren. Ist das sehr abstrakt? Was Gutes in Dir ist, werde ich als Nahrung benutzen. Und Du wirst Dich fühlen, als hättest Du nicht gegessen, seit Wochen. Dämonen leiden in der Hölle." (schlurf)

"Du kannst nicht töten, was schon tot ist." (als sich Kathy die Pulsadern aufschneiden will)

Bevalaqua-like...

"Die Ewigkeit währt lange, gewöhne Dich dran."

 ”You can't kill what's dead. Eternity's a long time. Get used to it.”

"Keine Sorge, Du wirst nicht sterben. Schmerz ist etwas anderes, etwas, das wir alle kennen, man muß jemand Besonderer sein, um ihn zu sehen und etwas dagegen zu tun."

Bitte hilf mir!  Please  help me (Kathy)

"Ich bin nicht dieser Jemand, glaub mir."

"I'm not that person, believe me."

 "Read the books. Sartre, Beckett. Who do you think they're talking about? You think they're works of fiction?they felt the wind of the wings of madness- Baudelaire."

"Lies die Bücher. Sartre, Beckett. Meinst Du etwa, das wäre Fiktion? „Ich spüre den Wind der Flügel des Wahnsinns“,.... Baudelaire."

Ich komme erst spät zurück. Sei ehrlich: Du wolltest nicht wirklich Schluss machen, nur wissen, ob ich was zu essen übrig gelassen hätte, für einen Fix.

 

                                                         Abel Ferrara über THE ADDICTION:

"Das Buch von THE ADDICTON, von meinem guten Freund Nicky St. John geschrieben, vermittelte mir eine Vision, so stark und in sich geschlossen, daß man es einfach verfilmen mußte. Ich fand in dem Buch viele meiner eigenen Gefühle und Ängste wieder, die das existentielle Dilemma des Lebens und der menschlichen Gesellschaft betreffen. So habe ich THE ADDICTION niemals als Vampirfilm betrachtet. Vielmehr sprach ich auf die Abhängigkeit an, der wir alle erliegen ‑ unsere Faszination am Bösen und an der Gewalt. Diese Sucht scheint durch unser Blut zu fließen. Und das Vampirgenre ist nur ein metaphorisches Werkzeug, das der Autor als Ausdrucksform gewählt hat. "


Interview mit Abel Ferrara


Neben den Lebenstrieb (also einer fruchtbaren Form der Sexualität) stellte Sigmund Freud in „Jenseits des Lustprinzips“ (1920) den destruktiven Todestrieb als grundlegende Kategorie seiner psychoanalytischen Triebtheorie. Abel Ferraras düstere New-York-Filme (BAD LIEUTENANT, KING OF NEW YORK) beginnen meist mit dem Punkt des ‘Umschlages’ – vom Lebenstrieb zum Todestrieb. Die Sexualität wird in ihrer Verselbständigung zur Feier zunächst des emotionalen und schließlich des physischen Todes. Auch Georges Batailles Modell einer „allgemeinen Ökonomie“ schimmert hier durch. In seiner Annahme, überschüssige Energie, die nicht mehr zu einem „Wachstum“ tauge, müsse notwendigerweise „verschwendet“ werden, „willentlich oder nicht, in glorioser oder in katastrophischer Form“, spiegelt sich Ferraras Selbstzerstörungsmechanismus – mit einem deutlichen Akzent auf die „katastrophische Form“. Abel Ferraras urbaner Vampirfilm THE ADDICTION, in schwarzweißem Ciaroscuro gedreht, treibt diese Verschwendung und Selbstzerstörung mit seiner Behandlung des Vampir-Motivs zu einem radikalen Endpunkt. Die Protagonistin Kathleen (Lily Taylor) ergibt sich allmählich ihrer Sucht nach Blut und sät den Virus des Bösen in nahezu kannibalischen Akten – in wenigen Genrefilmen wird der Vampirbiß deutlicher in diese Nähe gerückt – in ihre Mitmenschen. Die infizierte Party-Gesellschaft im Finale von THE ADDICTION wird zum Spiegel einer vom Todestrieb dominierten Verschwendungsgesellschaft, in der „die Sucht“ keine andere als die Sucht nach dem Erleben des Untergangs sein kann. Der intellektuelle Vampir Peina (Christopher Walken), dem die junge Untote eines Nachts begegnet, weiß zweifellos von der „allgemeinen Ökonomie“ Batailles – auch wenn er darauf nicht wörtlich anspielt – und beobachtet ungerührt Kathleens verzweifelte Versuche, sich in rasender Gier selbst das Blut aus den Adern zu saugen.
Ferraras Kino – und im Besonderen THE ADDICTION – zeigt die ausgestoßenen, verworfenen Kreaturen der Industriegesellschaft. Es zeigt Rituale der Gewalt, Momente der Verzweiflung. All seine Protagonisten sind traumatisiert oder innerlich zerrissen. Die französische Literaturwissenschaftlerin und Psychoanalytikern Julia Kristeva nennt das in The Powers of Horror (1983) das Abjekte: das radikal von Kultur und Gesellschaft verworfene Andere. Sieht man Ferraras Filme in dieser Perspektive, so könnte man sie als ein „Kino der Grausamkeit“ bezeichnen, analog zum Begriff des „Theaters der Grausamkeit“, den der französische Theoretiker Antonin Artaud in den dreissiger Jahren geprägt hat (Das Theater und sein Double). Grausamkeit bezeichnet hier nicht allein körperliche Gewalt, sondern alles, was „den gesellschaftlichen Körper zur Auflösung bringt“: Revolte, Exzess, Sexualität, Drogen, Krieg und letztlich: eine unerbittliche Konfrontation mit der Wahrheit.
Speziell Abel Ferraras Umgang mit der katholischen Ikonologie in THE ADDICTION (und anderen Filmen) offenbart die innere Zerrissenheit eines spätmodernen Künstlers, der 'glauben’ möchte, aber es nicht mehr kann, der eine Veränderung der Gesellschaft will, aber an die Revolution nie geglaubt hat. Ferraras ästhetischer Umgang mit der Ikonologie deutet vage eine 'Utopie’, vielleicht auch nur eine Hoffnung an – dass es das Transzendentale wirklich gibt.
http://www.ikonenmagazin.de/rezension/Nadja.htm


 

 




 

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