Abel Ferrara directed this erotic thriller adapted by Ferrara and Christ
Zois from a short story by science fiction author William Gibson (in his
Burning Chrome collection). Global corporations rule the world, and
corporate raider Fox (Christopher Walken) and his deputy X (Willem Dafoe)
could pocket $100 million if they can get top scientist Hiroshi (Yoshitaka
Amano) to defect from one corporation to another. Fox offers singer Sandii
(Asia Argento) $1 million to seduce Hiroshi away from his wife, family, and
employer. An affair develops between Sandii and X, while she studies facts
about Hiroshi's life. She departs on her assignment, but betrayals ensue,
with Fox and X soon becoming targets themselves. With opening credits in
three languages (English, German, Japanese), the soundtrack features the
score-composition debut of hip-hopper Schoolly D, music which plays over a
blank screen at the wrap-up (since the film has no closing credits). This
Gibson short story was a property once in development by director Kathryn
Bigelow. The title story of Gibson's Burning Chrome collection was planned
as the second Heavy Metal movie, intended for live-action and scripted but
never filmed. Shown in competition at the 1998 Venice Film Festival. ~ Bhob
Stewart, All Movie Guide
Anfang der
Neunziger schuf Abel Ferrara mit Bad Lieutenant einen der prägenden Film des
Jahrzehnts. Spätestens seit The Funeral (1996) und The Addiction (1995)
genießt der Regisseur der dunklen Seiten von New York auch in Europa
Kultstatus.
Mit New
Rose Hotel verfilmte er 1998 die Kurzgeschichte eines anderen
Kult-Schaffenden: Cyberpunkt-Guru William Gibson. Und erntete in den USA
erst böse Kritiken, dann ein Kinoverbot für Minderjährige und eine Kürzung
um drei Minuten wegen zu offenherziger Bettszenen und seiner drastischen
Sprache. Hartgesottene Ferrara-Fans, die ihren Helden jahrelang verteidigt
hatten, schlugen sich diesmal auf die Seite der Kritiker, und unter
Gibson-Anhängern tobte der Streit darüber, wie treu Ferrara die Vorlage
verfilmt hatte. Nur wer Abel Ferraras Filme bisher beachtet, aber nie
wirklich gemocht hatte, scheint mit New Rose Hotel endlich einen Zugang zu
dem hermetischen Universum des Regisseurs zu finden. Das mag daran liegen,
dass sich Ferraras Lieblingsdarsteller Willem Dafoe und Christopher Walken
hier besonders sehenswert die Bälle des Diskurses zuwerfen. Oder auch an
Jungstar Asia Argento, deren körperbetonte Anwesenheit auch von vielen der
schärfzüngigsten US-Kritiker wohlwollend vermerkt wurde. Oder vielleicht
einfach an der versponnenen, wortlastigen Vielschichtigkeit der Handlung,
die sich schnell auf den eher klaustrophobischen Ort des Titels
konzentriert, ihren vorgeblichen Anlass gleich zu Anfang vollständig aus den
Augen verliert und gegen Ende zunehmend in unheilschwangeren Flashbacks
versinkt.
Trailer
INTERVIEW ABEL FERRARA
Fotos


"Abel Ferraras Dilemma heißt Nicholas St. John. Der Drehbuchautor solch
fantastischer Filme wie „King of New York“, „The Funeral“ oder „The
Addiction“ schrieb Ferrara jedesmal ein individuelles, obsessives Universum
auf den Leib. Darin durchstreiften die Menschen den Moloch New York wie
verlorene Seelen. Die Welt um sie herum war voll Gewalt und Hass, und nur
der Konsum von Drogen und eine radikale Hinwendung zum Katholizismus
versprachen Erlösung.
Seit zwei Filmen gehen die beiden nun getrennte Wege. Ferrara hat das
Drehbuch-Schreiben selbst übernommen, und was schon bei „The Blackout“
missglückte, gelang auch bei „New Rose Hotel“ kaum besser.
„New Rose Hotel“ ist der erste Film in Ferraras Opus, bei dem die
katholischen Dauerthemen Schuld, Sühne und Erlösung praktisch keine Rolle
spielen. Die Adaption einer Kurzgeschichte des Cyberspace-Autors William
Gibson spielt in einer nicht weit entfernten Zukunft, als undurchschaubare
multinationale Konzerne um die Macht kämpfen. Fox (Christopher Walken) und X
(Willem Dafoe) planen einen japanischen Wissenschaftler im Auftrag einer
konkurrierenden Organisation zu entführen. Die sexuellen Vorzüge der
geheimnisvollen Sandii (Asia Argento) sollen dabei der Schlüssel zum Erfolg
sein. Aber die Männer müssen leidvoll erfahren, dass sie auch nur Bauern in
einem tristen Schachspiel des Spätkapitalismus sind.
Der Film ist ein experimentelles Mosaik, das durch die fragmentarischen
Bilderfolgen und die subjektiven Erinnerungsfetzen der Protagonisten ähnlich
undurchschaubar ist wie die Verwicklungen der Global Trusts. „Black is
black“ heißt bezeichnenderweise der Eingangssong. Sehenswert ist der Film
allein durch seine fantastischen Schauspieler: Christopher Walken ist der
charismatische Selbstdarsteller, der durch die düstere Gegenwart zu tanzen
vesucht. Willem Dafoe bildet den ruhig-melancholischen Gegenpart. Der größte
Pluspunkt ist aber Asia Argento. Ihre Darstellung verführerischer Unschuld
ist atemberaubend."
nürnberger zeitung
Neurosen-Hotel
Mit „New Rose Hotel" verfilmt Ferrara wenig gelungen William Gibson
Das „New Rose Hotel", das ist eine dieser legendären japanischen
Konstruktionen aus länglichen, an Särge erinnernden Wohnzellen ohne Platz
zum Stehen, in denen man sich auf billigste und anonymste Weise aus welcher
Affäre auch immer ziehen kann. X hat allen Grund, sich dort einzumieten und
auf Tauchstation zu bleiben. Er wird gesucht, gejagt von den Schergen von
MAAS, einem Megakonzern, der sich jenseits aller Machtrestriktionen bewegt.
Nur austricksen kann man Gegner wie diesen, und ausgetrickst haben sie ihn,
X, Fox und Sandii. Jetzt muss X dafür bezahlen. Fox hat das schon hinter
sich, und Sandii, tja, Sandii existiert im Moment nur in Xs Erinnerungen,
die mehr und mehr Raum einnehmen, während er in diesem Käfig aus Plastik
wartet, sich betrinkt, träumt, sich wieder erinnert.
Abel Ferrara hat sich dieser Erzählung William Gibsons angenommen. Eine
eigenartige Konstellation - Ferrara, der sich nicht gerade durch die Special
Effects seiner Filme bekannt wurde, und Gibson, der Vater des Cyberpunk,
Autor kühler, cooler Geschichten über Ultra-Hochtechnologie und
transnationale Kapitalgiganten, Biotechnologie, Supercomputer und kleine
elektronische Zauberwerkzeuge. Dazwischen irgendwo befinden sich bei Gibson
die Menschen, oft käufliche Söldner für die eine oder andere
Industriespionage oder Abwerbeaktion von Elitewissenschaftlern.
In Ferraras Version des „New Rose Hotel"steht das Menschliche in dieser
High-Tech-Welt im Zentrum. Menschliches, das heißt hier vor allem die
Anfälligkeit seiner Akteure für Schwächen, Fehler und Laster, aber auch für
Liebe und Treue bis in den Tod. Die Prostituierte Sandii (Asia Argento) wird
von Fox und X angeworben, um den Weltklasse-Biologen Hiroshi via
Liebesaffäre seinem Konzern abspenstig zu machen und an einen anderen
Biotech-Player zu verkaufen. Während Fox (Christopher Walken) den Part des
von Ehrgeiz getriebenen Routiniers gibt, agiert X (Willem Dafoe) meist
besonnen und mit einem Blick, der eine große Verletzlichkeit hinter der
Fassade des versierten Industriespions andeutet. Überhaupt, ein wenig wirkt
dieses Duo wie Don Quichote und sein treuer Knappe - eine Analogie, die
spätestens greift, als die beiden herausfinden, dass sie weniger die
Fadenzieher sind als selbst Figuren in einem weit größeren Spiel.



Sicher, man sollte einen Film nicht an seiner literarischen Vorlage messen,
doch nur im Kontrast wird hier deutlich, worum es Ferrara in dieser
Geschichte gehen könnte. Aus einer fein gestrickten Erzählung macht er eine
Bühne für ein von der Regie im Stich gelassenes Gerede über richtiges und
falsches Handeln. Bilder von geringer Suggestionskraft wiederholen sich. Es
gibt im Kino wahrhaft kraftvolle Erzählungen über Moral, die mit allen
verfügbaren filmischen Mitteln zeigen, erzählen, dramatisieren - Ferraras
"Bad Lieutenant" ist eine davon. "New Rose Hotel" fühlt sich dagegen an wie
das bare Gerippe einer moralische Reflexion, ohne interessante
Ausschmückungen, flach, fleischlos. Symptomatisch hierfür ist sein Ansatz,
Xs Phase der Erinnerung ins letzte Viertel des Films zu verlagern und erst
in der zähen Wiederholung entscheidender Szenen anzudeuten, dass sich alles
auch anders ereignet haben könnte. Doch das bleibt Gegenstand für
Spekulationen, zu denen der Film nicht reizt. -Markus Sailer



Trojanisches Pferd
Einfach Erschütterung: Abel Ferraras NEW ROSE HOTEL ist vielleicht
unverständlich, aber unbedingt sehenswert
Bilder können trügerisch sein. Die Geschichte des Kinos ist nicht zuletzt
eine Geschichte der Entzauberung, des zerstörten Scheins, und damit
natürlich auch der Ent-Täuschung seiner eigenen Zuschauer.
Ein Meister des literarischen Spiels mit Schein und Sein, Entzauberung und
Wiederverzauberung der Welt ist William Gibson. Von ihm stammt
"Newromancer", ein Kult-Roman aus den 80er Jahren, den man aber erst nach
der multimedialen Revolution in den 90ern ganz verstehen konnte. Gibson
erfand das Wort "Cyberspace", das heute jeder kennt, und den "Cyborg" die
Kreuzung zwischen Mensch und Maschine, die man im kommenden Jahrhundert noch
gründlich kennenlernen wird. Von künstlichen Räumen, Cyborgs und Maschinen
handelt auch jene Erzählung von Gibson, auf die NEW ROSE HOTEL, der neue
Film von Abel Ferrara, zurückgeht.
Dabei erscheint die Welt zuerst noch ganz vertraut: Graue Menschen in grauen
Anzügen machen dunkle Geschäfte. Globale Trusts beherrschen alles, die
Regierungen übernehmen allenfalls noch die Verkehrskontrolle auf den
Wirtschaftshighways - eine schwarze Utopie des Neoliberalismus malt der
Film, zeigt ein urbanes Reich, das keine Werte und Gesetze mehr kennt,
sondern nur noch Profit.
Zwei Industriespione, Fox (Christopher Walken) und X (Willem Dafoe), planen
den Coup ihres Lebens. Doch dazu brauchen sie eine Frau, Sandii (Asia
Argento). Sie ist einerseits ein buntes frisches Stück echtes Leben,
andererseits noch abgebrühter als die beiden zusammen, eine fleischgewordene
Waffe, eine Meisterin der Täuschung. Als trojanisches Pferd wird sie bei
einem Wirtschaftsmagnaten eingeschleust, doch je mehr der Plan gelingt, umso
mehr wendet sich der Betrug auch gegen ihre Auftraggeber...
Harte Gemüter und femmes fatales, Liebe und Verrat, Verbrechen und die
Melancholie einer mißglückten Befreiung - nicht nur auf den ersten Blick
spricht NEW ROSE HOTEL, der fast ausschließlich in dunklen Räumen und des
Nachts spielt, die Sprache des Film-Noir. Doch noch mehr als ein
Film-Existentialist ist der aus dem italo-katholischen New York des Martin
Scorsese stammende Regisseur Ferrara ein Undergroundkünstler, dessen
Kompromisslosigkeit man dem Film jede Minute anmerkt. Nach BAD LIEUTENANT
geht es auch NEW ROSE HOTEL darum, seine Zuschauer in ihrer Sicherheit zu
erschüttern. Fragen sind hier wichtiger als Antworten, was man mitnimmt am
Schluß ist nur die Gewißheit, dass sich hinter jeder heruntergerissenen
Maske eine weitere verbirgt. Ein einzigartiger Film, rätselhaft, verstörend,
schonungslos und unbedingt sehenswert. -Rüdiger
Suchsland