You won't know the facts until you've
seen the fiction.
Just because you are a character
doesn't mean you have character.
Outrageously violent,
time-twisting, and in love with language, Pulp Fiction was widely considered
the most influential American movie of the 1990s. Director and
co-screenwriter
Quentin Tarantino
synthesized such seemingly disparate traditions as the syncopated language
of David Mamet; the
serious violence of American gangster movies, crime movies, and films
noirs mixed up with the wacky violence of cartoons, video games, and
Japanese animation; and the fragmented story-telling structures of such
experimental classics as
Citizen Kane, Rashomon, and La
jetée. The Oscar-winning script by Tarantino and Roger Avary
intertwines three stories, featuring Samuel L. Jackson and
John Travolta, in the role that single-handedly reignited his career, as hit
men who have philosophical interchanges on such topics as the French names
for American fast food products; Bruce Willis as a
boxer out of a 1940s B-movie; and such other stalwarts as Harvey Keitel, Tim
Roth, Christopher Walken,
Eric Stoltz, Ving Rhames, and Uma Thurman, whose dance sequence with
Travolta proved an instant classic. ~ Leo Charney, All Movie Guide
In drei geschickt miteinander verknüpften
Episoden wird die Geschichte von einem Dutzend Kriminellen erzählt, deren
Wege sich in Los Angeles im Verlauf von 24 Stunden wie zufällig kreuzen.
Dazu gehören: Der verräterische Boxer Butch und dessen französische Freundin
Fabian, das Liebespärchen Honey Bunny und Pumkin, das sich seinen Unterhalt
durch Raubüberfälle verdient, der Gangsterboss Marsellus nebst seiner
attraktiven, drogenabhängigen Frau Mia, sowie das philosophierende
Auftragskiller-Duo Vincent und Jules.
Butch sitzt als kleines Kind vor dem Fernsehapparat, als seine Mutter ins
Zimmer kommt und ihm Captain Koons (Christopher Walken) vorstellt, der mit
Butchs Vater im Vietnamesischen Gefangenenlager war. Koons erzählt Butch die
Geschichte über eine Armbanduhr, die in Knoxville erstanden wurde und Butchs
Urgroßvater gehört hatte. Er trug sie bis zum Ersten Weltkrieg. Als sein
Sohn Dane in den Zweiten Weltkrieg einrückte, bekam er die Uhr als
Glücksbringer. Kurz vor seinem Tod bat Dane einen Mann namens Winocki, die
Uhr seiner Frau zu überbringen. Die Uhr befand sich dann auch bei Butchs
Vater, als dieser in Vietnam gefangengenommen wurde. Kurz vor dessen Tod bat
dieser seinen Kameraden Captain Koons, die Uhr wiederum seinem Sohn Butch zu
überbringen. Trotz größter Schwierigkeiten hielt Captain Koons Wort und
brachte dem Jungen nun das Andenken.
Die goldene-Uhr-Geschichte soll sich Roger Avary ausgedacht haben, die Idee
mit dem Gesäß hat Tarantino aus PAPILLON (und Dustin Hoffmans After)
geklaut. Die Frage von Butch zu Fabienne später im Film "where's my watch?"
verkommt zur Satire. Walken sieht man an, dass auf dem Set viel gelacht
wurde.
Boxer Butch besitzt seine spezifische Verwurzelung, er entspringt einer
patriarchischen Tradition, welche sich in einer Armbanduhr manifestiert, die
als Zeugin sämtlicher US-Kriege des 20. Jahrhunderts in den "Ärschen" von
Großvater, Vater und dem des Vaters überlebendem Kamerad Christopher Walken
(hier in einer Selbstparodie auf seine Vietnamfilme, wie "Die durch die
Hölle gehen") aufbewahrt ("damit die Reisfresser sie nicht finden") und dem
Kind Butch von letzterem überliefert wurde. Das gleichzeitig väterliche und
nationale Erbe ist hier buchstäblich "a pain in the ass" und dennoch das,
wofür auch Butch sein Leben riskiert. So ist Butch die einzige Figur mit
einer Tradition von Moral, Ehrbegriff und Pflichtbewusstsein zwischen
Männern ("When two men are in a situation like me and your Dad were, for as
long as we were, you take on certain responsibilities for the other."-
Koons) (sei sie noch so zynisch und unhaltbar), was es ihm unmöglich macht,
sich von Wallace, dem mächtigen Vertreter des Verbrechens, erpressen zu
lassen .
Walken soll den Monolog angeblich mit einem leicht texanischen Akzent
sprechen....
"Pulp
Fiction was eight pages long. I was talking to the camera. It was great.
I had the speach for months. I must say it that case every time I went
through that long speech, each end, it cracked me up. It stayed funny."
(CW)
"People don't have monologues in movies. I get monologues a lot..." (CW)
(Walken sprach letztendlich zur Kamera, weil dem Jungen die langen
Proben letztendlich zuviel geworden waren und er dabei einschlief.
-Walken hatte das Skript seit Monaten in Bearbeitung gehabt , und immer,
wenn er zum Ende des Monologs kam, brach er in Gelächter aus.)
Captain Koons:
"Hello, little man. Boy, I sure heard a bunch about you. See, I was a
good friend of your dad's. We were in that Hanoi pit of hell together
over five years. Hopefully...you'll never have to experience this
yourself, but when two men are in a situation like me and your Dad were,
for as long as we were, you take on certain responsibilities of the
other. If it had been me who had not made it, Major Coolidge would be
talkin' right now to my son Jim. But the way it turned out is I'm
talkin' to you, Butch. I got somethin' for you.
(The Captain sits down and pulls a gold wrist watch from his pocket)
This watch I got here was first purchased by your great-grandfather
during the first World War. It was bought in a little general store in
Knoxville, Tennessee. Made by the first company to ever make wrist
watches. Up till then people just carried pocket watches. It was bought
by private Doughboy Erine Coolidge on the day he set sail for Paris. It
was your great-grandfather's war watch and he wore it everyday he was in
that war. When he had done his duty, he went home to your
great-grandmother, took the watch off, put it an old coffee can, and in
that can it stayed 'til your granddad Dane Coolidge was called upon by
his country to go overseas and fight the Germans once again. This time
they called it World War II. Your great-grandfather gave this watch to
your granddad for good luck. Unfortunately, Dane's luck wasn't as good
as his old man's. Dane was a Marine and he was killed -- along with the
other Marines at the battle of Wake Island. Your granddad was facing
death, he knew it. None of those boys had any illusions about ever
leavin' that island alive. So three days before the Japanese took the
island, your granddad asked a gunner on an Air Force transport name of
Winocki, a man he had never met before in his life, to deliver to his
infant son, who he'd never seen in the flesh, his gold watch. Three days
later, your granddad was dead. But Winocki kept his word. After the war
was over, he paid a visit to your grandmother, delivering to your infant
father, his Dad's gold watch. This watch. (holds it up, long pause) This
watch was on your Daddy's wrist when he was shot down over Hanoi. He was
captured, put in a Vietnamese prison camp. He knew if the gooks ever saw
the watch it'd be confiscated, taken away. The way your Dad looked at
it, that watch was your birthright. He'd be damned if any slopes were
gonna put their greasy yella hands on his boy's birthright. So he hid it
in the one place he knew he could hide something. His ass. Five long
years, he wore this watch up his ass. Then he died of dysentery, he gave
me the watch. I hid this uncomfortable hunk of metal up my ass two
years. Then, after seven years, I was sent home to my family. And now,
little man, I give the watch to you."
GEHEIMNISSE VON
'PULP FICTION'(5/95)
von
Roger Ebert
Vier Tage lang saßen wir in der Dunkelheit und haben uns "Pulp Fiction"
per Laserdisc ganz genau angesehen. Wir waren etwa 300, und die
Demokratie regierte: Jeder konnte Beobachtungen machen, wir stoppten die
Szenen und diskutierten darüber. Unsere Mission: Diesen stark
verzweigten Film GANZ genau unter die Lupe zu nehmen.
Natürlich gibt es Menschen, die "Pulp Fiction" abgrundtief schlecht
finden. Ich habe Mails von den Leuten, die den Film hassen, erhalten.
Sie sagen, er ist zu brutal, zu obszön, zu langweilig oder "macht keinen
Sinn". Viele sagen, dass sie nach 20, 30 oder 60 Minuten abgeschalten
haben. (Auf Grund der vielen Zeitsprünge und Szenenwechseln in Pulp
Fiction, hat er diesen Leuten natürlich nach 60 Minuten noch keinen Sinn
gemacht; dies ist eben ein Film, in dem man abwarten muss, bevor man
sagen kann "Jetzt kenne ich mich aus.")
In den Reihen derer, die den Film toll finden, ist Quentin Tarantinos
Film der am meisten geliebte Film der letzten Jahre. Die Diskussionen
über die kleinsten Details des Films haben gleiche Ausmaße erreicht, wie
die Begeisterung über Kubricks "2001".
Wir analysierten Pulp Fiction an der Universität von Virginia. Patricia
Kluge, Gründerin vom Virginia Festival of American Film, sponsort die
Gefolgschaft auf Thomas Jeffersons schönem Universitätsgelände (obwohl
es schwer vorstellbar ist, was Jefferson über Vincent, Vega und Honey
Bunny gedacht hätte.)
Ich habe Analysen von Dutzenden von Filmen gemacht, von "Citizen Kane"
bis "The Silence of the Lambs" ("Das Schweigen Der Lämmer"). Dabei habe
ich herausgefunden, dass, wenn man mehrere bekannte Filmleute einlädt,
während eines Films zu sprechen, irgend jemand eine Antwort auf jede
Frage hat.
In Virginia zum Beispiel war eine der Stimmen in der Dunkelheit die von
einem Jungen; er hörte sich an, als wäre er etwa 11. Ich fragte mich, ob
er diesen doch an einigen Stellen gewalttätigen Film (In Amerika:
R-Rated) ansehen sollte. Das war bevor er begann, einige Zitate aus dem
Drehbuch, das er aus dem Inernet heruntergeladen hatte, vorzutragen. Er
sah ihn sich bereits zum 12. Mal an (und, ja, er wurde von einem
Elternteil begleitet).
Am Ende dieser vier Tage hatte sich meine Bewunderung für diesen Film
nur noch vertieft. Er ist komplexer, als es zunächst den Anschein hat;
das Drehbuch von Tarantino und Roger Avary enthält die Antworten auf
einige mysteriöse Fragen, die der Zuschauer zunächst hat, und es
verbindet gewisse Dinge, die dem Zuschauer erst nach einiger Zeit
auffallen.
Der Film erzählt verschiedene Storys, die keineswegs linear aufgebaut
sind. Das ende des Films trifft mit dem Beginn zusammen, fast der
gesamte Mittelteil geschieht eigentlich erst nach dem Ende, und ein
Hauptcharakter ist zu sehen, nachdem er erschossen wurde. Warum wird der
Film auf so eine Art erzählt? Aus drei Gründen, weil: (1) Q.T. ist die
vielen linearen Storys leid; (2) um das Drehbuch zu einer Art
"Hypertext" werden zu lassen, in dem "Buttons" wie die Goldene
Armbanduhr oder "Fußmassage" zu anderen Dingen wie Butchs Geschichte
führen; und (3) weil jede der Hauptstorys mit einer Art Auslösung endet.
Die Hauptauslösung - die Entscheidung von Jules (Samuel L. Jackson), aus
dem kriminellen Geschäft auszusteigen, nachdem sein Leben durch ein
"Wunder" Gottes gerettet wurde - findet am Ende des Films statt, obwohl
es nicht am Ende der Story geschieht.
Das erste Mal, als ich den Film sah, im Mai 94 am Cannes Film Festival,
dachte ich, er wäre ziemlich brutal und gewalttätig. Als ich ihn ein
zweites und drittes Mal sah, bemerkte ich, dass der Film gar nicht so
brutal ist, wie ich zunächst dachte - jedenfalls nicht für den Standard
moderner Actionfilme. Der Film hat den Anschein, sehr gewalttätig zu
sein, weil eine Rachetat oft durch witzige Dialoge hinausgezögert wird.
Unsere Leichenzählung in Virginia zählte nur sieben Tode. Die Toten:
-- Drei Typen im Appartment - einer auf dem Stuhl, einer auf der Couch,
einer im Bad - werden von Vincent (John Travolta) und Jules (Jackson)
erschossen.
-- Marvin, der Vierte aus dem Appartment wird auf dem Rücksitz des Autos
der beiden Killer von Vincent erschossen.
-- Vincent Vega wird von Butch erschossen (Bruce Willis).
-- Zwei Männer werden im Pfandgeschäft getötet: Maynard, der Besitzer,
und sein Freund Zed.
-- Zusätzlich gibt es noch zwei Tode, die man nicht sieht, der, den
Butch im Ring killt, und der lederbekleidete Saftsack im Keller des
Pfandgeschäfts.
Im Gegensatz zu diesen Leichen gibt es mehrere Leute, denen im Film das
Leben gerettet wird. Mia (Uma Thurman) wird nach einer Überdosis
wiederbelebt; Marcellus Wallace (Ving Rhames) wird von Butch gerettet;
und mehrere potenzielle Opfer im Restaurant werden durch Jules' Gespräch
mit Honey Bunny (Amanda Plummer) und Pumpkin (Tim Roth) gerettet. Und,
natürlich, haben Jules und Vincent großes Glück, dass sie von den sechs
Schüssen im Appartment nicht getroffen werden. Jules nennt das Ganze ein
Wunder, ein Zeichen von Gott. Er verabschiedet sich aus dem kriminellen
Leben. Vincent ignoriert das Ganze...und muss dafür bezahlen.
Eine Sache, die wir beobachteten, war, dass viele Gewalttaten gar nicht
gezeigt werden. Als die Typen im Appartment abgeknallt werden, ist die
Kamera auf Jules oder Vincent gerichtet, nicht auf die Opfer. Als die
Spritze in Mias Brustkorb eindringt, wird die Kamera im letzten Moment
weggerichtet. Der Schuss in Marvins Kopf wird ebenfalls nicht gezeigt.
Die Taten im Pfandgeschäft werden zwar gezeigt, aber innerhalb der
Grenzen normaler Filmkämpfe.
Je länger man sich den Film ansieht, desto überzeugter wird man davon,
dass die Story eine gewisse versteckte spirituelle Ebene enthält. Viel
hat mit dem berühmten Koffer von Marcellus Wallace zu tun, den Jules und
Vincent aus dem Appartment holen. Man sieht niemals den Inhalt, der ein
goldenes Glühen verursacht. Es gibt unzählige Theorien über den Inhalt
des Koffers, aber natürlich wird man es nie sicher wissen (vor Allem,
weil Tarantino sagte, er hätte selbst keine Ahnund, was sich im Koffer
befindet. Er wolle es der Fantasie des Zuschauers überlassen). Was man
bemerken kann, ist die Kombination des Schlosses ("666") - das Zeichen
Satans. Das Ganze führt zur Spekulation, dass das Pflaster auf der
Rückseite von Marcellus' Hals eben diese Nummer verbergen soll. Ist
Marcellus der Teufel? Das weiß man nicht, spiegelt aber wieder, dass
Jules, der glaubt, Gott hätte ihn gerettet überlebt - während Vincent,
der Spötter, stirbt.
Er wird von Butch erschossen, als er von der Toilette kommt (viele Dinge
in diesem Film geschehen, während irgend jemand auf der Toilette ist).
Eine Kleinigkeit, die mich am Anfang wunderte ist, dass Butch eine Waffe
verwendet, die Marcellus, der sie auf der Anrichte in Butchs Appartment
liegen gelassen hat und gerade Kaffee und Doughnuts holt, gehört.
(Marcellus hat sich Vincent angeschlossen, weil Jules seine kriminelle
Laufbahn ja bereits beendet hatte.) "Die Jungs, die das Drehbuch
geschrieben haben, waren nicht faul", sagte jemand in Virginia; "es ist
interessant, wie sie alle Details ausarbeiten, obwohl die meisten Leute
sie gar nicht bemerken werden.
Ein Thema, das an vielen Stellen im Film zu sehen ist, ist, dass viele
Waffen nicht funktionieren oder nicht absichtlich verwendet werden (die
Waffe, die Jules nicht trifft, die Waffe, die Vincent tötet, die Waffe,
die Marvin auf dem Rücksitz tötet, die Waffen im Restaurantüberfall, die
Waffen, die den Pfandgeschätstypen gehören). Nach Jules Wechsel zur
legalen Seite, VERHINDERT seine Waffe Gewalttaten im Restaurant.
Es gibt auch viele Geheimnisse im Film zu entdecken. Im Jack Rabbit
Slim's wird der Kellner Buddy Holly (Steve Buscemi) von Mr. Pink in QTs
"Reservoir Dogs" gespielt. Drei andere Darsteller aus "RD" (Tim Roth,
Harvey Keitel und Tarantino) sind ebenfalls in "PF" zu sehen. In "RD"
gibt es auch einen Vic Vega, vielleicht bezogen auf Vincent Vega.
Als Butch in sein eigenes Appartment schleicht, sieht man durch ein
offenes Fenster die Worte "Jack Rabbit Slim's". Eine sehr interessante
Beobachtung ist Folgende: Im Pfandgeschäft gibt es eine Neonreklame für
Killian's Red beer. Einige der Buchstaben sind ausgebrannt, deshalb ist
nur "Kill Ed" (Töte Ed) zu sehen. Später, als Butch auf Zeds Motorrad
entkommt, sieht er sich den Schlüssel an. Darauf ist ein großes
metallenes "Z" zu sehen. Wenn man die Reklame mit diesem Buchstaben
kombiniert, ergibt sich "Kill Zed" (Töte Zed), was ja auch passiert.
Es gab zwei visuelle Dinge, die wir stark diskutiert haben. Das Eine ist
das goldene Glühen, das erscheint, als Jules und Vincent Feuer im
Appartment machen; hängt es irgendwie mit dem Koffer zusammen? Verbindet
es den Koffer des Teufels mit der Arbeit des Teufels? Außerdem gibt es
einmal einen kuriose Kameraeinstellung, die Bruce Willis' Gesicht zeigt
(Die Szene, in der Willis in die Kamera sieht, während Marcellus Wallce
im erklärt, dass er den Boxkampf verlieren müsse). Das Licht wird
verwendet, um exakt die Hälfte von Willis' Kopf in den Schatten zu
legen; eine Linie läuft von seinem Hirn über die Nase zum Kinn. Oder...
ist es Licht? Die Trennlinie zwischen Licht und Schatten ist so scharf
definiert, dass wir uns fragten, ob Makeup verwendet wurde, um diesen
Effekt zu verstärken. Wir sahen uns besagte Szene wiederholt Bild für
Bild an, aber wir konnten uns nicht entscheiden.
Ein sehr auffallendes Element des Films ist der starke Humor. Die
Dialoge sind sehr komisch, und einige spiegeln große Literatur auf
moderne, profane Art wieder: Der Beginn des Films, in dem Vincent und
Jules darüber sprechen, wie die Franzosen einen Quarter-Pounder nennen,
ist zum Beispiel eine Hommage an die Unterhaltung zwischen Jim und
Huckleberry Finn darüber, warum die Franzosen kein Englisch sprechen.
Jules zitiert immer eine Stelle aus der Bibel, die er als Ezekiel 25:17
identifiziert, und obwohl die Wörter die Gleichen sind, hat er die
Stelle doch ziemlich ausgeschmückt. (Siehe Anhang unten)
Eine oft verwendete Strategie des Films ist es, komische Dialoge zu
verwenden, um eine Gewalttat hinaus zu zögern. Während z. B. Mia auf dem
Boden stirbt, führen Travolta und Eric Stoltz eine hysterische Debatte
darüber, wer die Spritze verwendet.
Diese Strategie wird auch in der Szene verwendet, in der Jules und
Vincent eine lange und witzige Diskussion über Fußmassagen führen,
während sie einen langen Hotelkorridor entlang gehen. Als sie vor der
Tür des Appartments, in das sie sollen, stehen, entscheiden sie sich,
dass sie noch Zeit haben. Sie gehen also den Gang entlang, um ihre
Diskussion fort zu führen. Aber dieses Mal folgt ihnen die Kamera nicht;
sie bleibt bei der Tür und schwenkt ihnen lediglich nach, wie sie
weggehen. Die visuelle Sprache sagt dem Zuschauer, dass das Appartment
oberste Priorität hat; die Kamera wirkt fast ungeduldig, als die
Diskussion fort gesetzt wird, und das erzeugt Spannung.
"Pulp Fiction" will nicht nach den Regeln spielen. Der Film hat seinen
eigenen Stil. Dieser Film macht genau das Gegenteil von dem, was in
Workshops für Hollywooddrehbüchern empfohlen wird. "Pulp Fiction" ist
vermutlich der besonderste Film der nächsten fünf Jahre, und dafür
können wir dankbar sein, weil er uns vielleicht von all den unzähligen
vorhersehbaren Billigfilmen befreit hat.
ANHANG: WAS JULES SAGT
Der Auftragskiller Jules (Samuel L. Jackson) zitiert mehrmals "Ezekiel
25:17" in "Pulp Fiction", aber das, was er sagt, hebt sich doch deutlich
von der Bibelpassage ab. In der Bibel steht:
DEUTSCH:
"Ich nehme an ihnen gewaltige Rache, mit grimmigen Strafen. Dann werden
sie erkennen, da? ich der Herr bin, wenn ich mich an ihnen räche."
Und hier das, was Jules sagt:
"Der Pfad der Gerechten ist auf beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der
Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der im
Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens, die Schwachen aus dem
Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders
und der Retter der verlorenen Kinder. Und da steht weiter: Ich will
große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu
vergiften und zu vernichten und mir Grimm werde ich sie strafen, dass
sie erfahren ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an Ihnen vollsteckt
habe."
ENGLISCH (Original):
"And I will execute great vengeance upon them with furious rebukes; and
they shall know that I am the Lord, when I shall lay my vengeance upon
them."
Here's what Jules says, adding bits from the 23rd Psalm and his own
rhetoric:
"The path of the righteous man is beset on all sides with the iniquities
of the selfish and the tyranny of evil men. Blessed is he who in the
name of charity and good will shepherds the weak through the valley of
darkness, for he is truly his brother's keeper and the finder of lost
children. And I will strike down upon those with great vengeance and
with furious anger those who attempt to poison and destroy my brothers.
And you will know that my name is the Lord when I lay my vengeance upon
thee."
Im Film spielen auch Eric Stoltz (Simon in God's
Army) und Amanda Plummer (Gabriels halbtote Chauffeuse in God's Army) mit.
Als Capt. Koons dem jungen Butch die Uhr zeigt, ist es 10:10. In der
Nahaufnahme ist es bereits 12:00. (9.00?)
Knoxville, Tennessee, wo Butchs Urgroßvater die Uhr kaufte, ist der
Geburtsort von Taratino.
Als Capt. Koons den jungen Butch besucht, um ihm die Uhr seines Vaters zu
überreichen, spricht er von einem Mann namens "Wynocki", der die Uhr damals
in Sicherheit gebracht hatte. "Wynocki" ist der Rollenname von John Garfield
in Howard Hawks' Film "Air Force" von 1943. Hawks ist einer von Tarantinos
Lieblingsregisseuren.